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Am Anfang jeder Bachelorarbeit steht eine Grundsatzentscheidung: Beantwortest du deine Forschungsfrage mit vorhandener Literatur oder mit eigenen Daten? Davon hängen Methodik, Gliederung, Zeitplan und Arbeitsaufwand ab.

Kurz erklärt: Was ist eine Literaturarbeit, was eine empirische Arbeit?

Eine Literaturarbeit (auch theoretische oder literaturbasierte Arbeit) beantwortet die Forschungsfrage ausschließlich mit bereits veröffentlichter Forschung. Du sammelst, ordnest und bewertest Studien und Fachtexte und ziehst daraus eine eigene Schlussfolgerung.

Eine empirische Arbeit erhebt zusätzlich eigene Daten, sogenannte Primärdaten. Quantitativ geschieht das etwa mit einem Fragebogen, dessen Antworten du statistisch auswertest; qualitativ zum Beispiel mit Leitfadeninterviews, die du inhaltsanalytisch auswertest.

Literaturarbeit

Bei einer Literaturarbeit arbeitest du ausschließlich mit der bestehenden Forschungsliteratur. Hierbei steht die Methodik deiner Literaturrecherche im Vordergrund. Du gibst in der Methodik an, auf welchen Onlinedatenbanken du recherchiert hast, welche Suchbegriffe du dafür verwendet hast und nach welchen Kriterien du die Literatur aussortiert hast. Für gewöhnlich suchst du dir dabei bis zu 20 verschiedene Paper heraus und formulierst am Ende deines Grundlagenteils deine Forschungsfragen. Anschließend ordnest du deine ausgewählten Literaturbeiträge entsprechend deiner Forschungsfragen und beantwortest diese, wobei du mit den Ergebnissen der Studien der Autoren und Forscher argumentierst. Als Anhang fasst du die wichtigsten Daten aus den Literaturbeiträgen bzw. Paper zusammen. Folgende Daten sollte deine Tabelle enthalten: Autor, Jahr, Methodik der Untersuchung, Stichprobe, Ergebnisse und Gütekriterien der Messinstrumente. Als Messinstrument wird die Methode einer Studie zur Erfassung von Daten bezeichnet. Eine Literaturarbeit fasst demnach den aktuellen Forschungsstand zusammen, untermauert oder widerlegt bestehende Theorien und identifiziert Forschungslücken. Die Vor- und Nachteile einer Literaturarbeit findest du in der nachfolgenden Tabelle.

Tabelle 1: Vor- und Nachteile von Literaturarbeiten
VorteileNachteile
Keine eigene ErhebungUmfangreiche Literaturrecherche
Weniger AufwandKeine Primärdaten
Unabhängig von Dritten
Planbare Einteilung von Ressourcen

Methodik einer Literaturarbeit in sechs Schritten

  1. Forschungsfrage eingrenzen: eng genug, dass die Literatur sie beantworten kann.
  2. Datenbanken wählen: je nach Fach etwa Google Scholar, EBSCO, PubMed, PsycINFO, JSTOR oder der Katalog deiner Hochschulbibliothek.
  3. Suchbegriffe festlegen: deutsche und englische Begriffe, verknüpft mit AND, OR und NOT.
  4. Ein- und Ausschlusskriterien bestimmen: zum Beispiel Erscheinungszeitraum, Sprache, Studientyp, Peer Review.
  5. Auswahl dokumentieren: wie viele Treffer, wie viele nach Titel und Abstract aussortiert, wie viele vollständig gelesen. Ein Flussdiagramm macht das nachvollziehbar.
  6. Auswerten und verdichten: die Studien in einer Tabelle zusammenfassen und entlang der Forschungsfrage vergleichen.

Genau diese Schritte gehören in das Methodenkapitel. Wie die ganze Arbeit aufgebaut ist, zeigt unsere Gliederungsvorlage für Literaturarbeiten.

Empirische Arbeit

Bei einer empirischen Arbeit ergänzt du die bestehende Forschungsliteratur mit Primärdaten, die du selbst erhoben hast. Die Erhebung kann qualitativ und quantitativ erfolgen. In der Regel entwickelst du dafür ein geeignetes Instrument, wie zum Beispiel einen Fragebogen für eine Onlineumfrage oder ein Experteninterview. Im praktischen Teil deiner Arbeit stellst du die Ergebnisse deiner Erhebung zusammenfassend dar und interpretierst sie. Die bestehende Forschungsliteratur verwendest du, um die Grundlagen zum Verständnis deiner Erhebung zu erarbeiten. Die Methodik deiner Arbeit umfasst die Erläuterung des Forschungsdesigns und der Stichprobe, die Rekrutierung der Teilnehmer, die Durchführung der Erhebung, die Gütekriterien deiner Messmethode und die Auswertung der erhobenen Daten. Empirische Arbeiten sind deutlich komplexer als Literaturarbeiten. Warum es dennoch in vielen Fällen vorteilhafter sein kann, eine empirische Arbeit zu schreiben, zeigt dir die nachfolgende Tabelle.

Tabelle 2: Vor- und Nachteile von empirischen Arbeiten
VorteileNachteile
Bessere Bewertung wegen der EigenleistungKomplexe Methodik
Verfügbarkeit von PrimärdatenAbhängigkeit von Teilnehmern
Datenfreiheit, bspw. Wissen von ExpertenHoher Arbeitsaufwand
Weniger RechercheaufwandAbhängigkeit von Primärdaten
Statistik

Was ist besser für dich?

Die Wahl der passenden Vorgehensweise hängt grundsätzlich vom Gegenstand deiner Untersuchung ab. Untersuchst du beispielsweise das Kaufverhalten im Modemarkt, eignet sich eher eine empirische Arbeit, in der du Daten von der Grundgesamtheit erhebst und statistisch analysierst. Behandelst du ein technisches Thema, kann es hilfreich sein, Experten zu befragen. Schreibst du ein Review zur bestehenden Forschungsliteratur, benötigst du keine Primärdaten und kannst entsprechend theoretisch arbeiten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass empirische Ausarbeitungen ein höheres Niveau haben und somit besser bewertet werden. Du hast also eine bessere Kontrolle über das Ergebnis und deine Note.

Beispiele für Forschungsfragen

  • Literaturarbeit: „Welche Faktoren beeinflussen laut aktueller Forschung die Mitarbeiterbindung in der Generation Z?“
  • Empirisch quantitativ: „Besteht ein Zusammenhang zwischen Homeoffice-Anteil und Arbeitszufriedenheit bei Beschäftigten im Dienstleistungssektor?“
  • Empirisch qualitativ: „Wie erleben Pflegekräfte die Einführung digitaler Dokumentation im Stationsalltag?“

Die erste Frage lässt sich mit vorhandenen Studien beantworten. Die zweite verlangt Zahlen aus einer Stichprobe, die dritte persönliche Erfahrungen, die man nur im Gespräch erfährt.

FAQ

Ist eine Literaturarbeit leichter als eine empirische Arbeit?

Sie ist besser planbar, weil du nicht auf Teilnehmer angewiesen bist. Leichter ist sie nicht automatisch: Die Recherche muss systematisch und nachvollziehbar sein, und die eigene Leistung liegt in der Auswahl, Bewertung und Verknüpfung der Quellen.

Wie viele Quellen braucht eine Literaturarbeit?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Studien die Forschungsfrage tragen. Für die eigentliche Auswertung arbeiten viele Bachelorarbeiten mit einer überschaubaren Zahl ausgewählter Studien, oft bis zu 20, ergänzt um Grundlagenliteratur.

Kann ich beides kombinieren?

Ja. Kombinationen aus quantitativer und qualitativer Erhebung heißen Mixed Methods. Für eine Bachelorarbeit ist das meist aufwendig; stimm den Umfang deshalb früh mit deinem Betreuer ab.

Muss ich die Wahl im Exposé begründen?

Ja, das Forschungsdesign gehört in das Exposé. Begründe kurz, warum dein Design zur Forschungsfrage passt.

Hilfe bei der Umsetzung gibt es für jede Phase einzeln: Literaturrecherche, Statistik und Datenanalyse und qualitative Auswertung.